Februar 17

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„Unser Betreuungssystem ist ein Kartenhaus“ – was ich tue, wenn gar nichts mehr geht

Letzte Woche schreibe ich noch: "Ich habe so viel Zeit, wie noch nie!" Am Anfang der Woche bin ich in hysterisches Gelächter verfallen, als ich daran gedacht habe.

Der Grund: Mein Mann hat sich beim sonntäglichen Schlittschuhlaufen den Unterarm sowie einen Teil des Handgelenks gebrochen, muss operiert werden und wird die nächsten Wochen (außer sich unter Schmerzen langsam selbst anziehen) nicht viel machen können, was mit Kinder und Haushalt zu tun hat.

(Dabei ist er ein begnadeter Schlittschuhläufer. Lies einfach bis zum Ende, dann kannst Du Dir selbst einen Eindruck davon verschaffen! ;-))

Mit diesem Blogartikel nehme ich Dich mit in den Prozess hinein, der mich diese Woche beschäftigt. Ich habe ihn - wie sollte es auch anders sein - in Etappen geschrieben.

Herrlichstes Schlittschuhwetter letzten Sonntag

Der Morgen nach dem Unfall: Ich schiebe Panik.

Sonntag Abend und eine Weile nach dem Sturz haben wir erst noch darüber gescherzt, dass es natürlich ausgerechnet in der LETZTEN Runde passieren musste (klar, er wollte gerade aufhören...) und uns gegenseitig 10x versichert, dass es schon irgendwie gehen wird. Das können wir gut: Positiv nach vorne schauen und uns feiern, dass wir uns haben.

Montag Morgen wache ich auf und fühle eine Enge. Bin ich jetzt etwa die nächsten vier Wochen 24/7 alleine zuständig? Für Kinder, Haushalt und meinen Job - und auch die Delegation aller Aufgaben, die wir nicht schaffen? Das Thema hatte ich doch eigentlich auf meiner Liste schon abgehakt und dementsprechend gemeinsam mit Matthias unseren Alltag umstrukturiert.

In die beginnende Panik hinein kommt ein Hilfsangebot meiner Mutter. Als eigentlich alles schon klar ist, sagt sie mir mit mütterlicher Fürsorge, dass ich mich doch entspannen soll, dass schon alles werden wird und dass ich jetzt einfach erstmal nur bis nach der Operation planen soll.

Ich soll mich WAS??!!

Ich bin von Herzen davon überzeugt, dass dieser Ratschlag liebevoll gemeint war. Und er fühlt sich in dieser Situation für mich an wie ein absoluter Schlag ins Gesicht. Ich WILL gerade nicht entspannt sein. Sondern ich will Panik haben dürfen! Ich weiß nicht, wie die nächsten Wochen aussehen werden (und ich LIEBE Planung und Perspektiven!). Außerdem habe ich Angst, was passiert, wenn ich nicht wie sonst auf meine heiligen Zeiten zum Auftanken zurückgreifen kann: meine Zeit zum Meditieren und für Bewegung, das Bloggen, das Arbeiten an meinem Business... Diese Ressourcen tragen seit einiger Zeit so zuverlässig dazu bei, dass ich in meiner Kraft bin und den meisten Herausforderungen unseres dichten Alltags bewusst begegnen kann. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich in den nächsten Wochen einfach darauf verzichten soll.

Tag 1 (abends): Ich erlaube mir alle Gefühle.

Mit der überhandnehmenden Angst und Dramatik kommt der Wunsch, mich zu entlasten und Wege für mich zu finden, die mir jetzt kurzfristig helfen.

Eine riesen Hilfe ist meine Begleiterin Stephanie, die ich durch mein Ringana-Netzwerk kenne. Mit ihrer sanften Klarheit und ihrer Intuition nimmt sich mich an die Hand, sieht mich in meiner Notlage, nimmt mich ernst und gibt mir so in dieser emotionalen Krise das Gefühl gehalten zu sein.

Es hilft mir sehr, einfach Panik schieben zu dürfen. Ich bin ein Mensch, der diese Gefühle einmal jemandem mitteilen muss und ich erlebe es als wohltuend, dass ich Stephanie davon erzählen kann.

Die erneute Erkenntnis scheint so banal: Ich darf für mich genau das tun, was ich auch für meine Kinder tun würde. Nämlich: Allen Gefühlen einfach Raum geben und mir jemanden an meine Seite holen, der diesen Raum hält. Ich habe es so oft schon selbst für andere Mütter und tausendfach für meine Kinder getan - und ich bin stolz auf mich, dass ich mir dieses Mal so schnell selbst diesen Raum geschaffen habe.

Tag 2 bis 4 nach dem Unfall:
Welche Geschenke stecken in dieser Situation?

Erst danach konnte ich überhaupt die Frage zulassen: Welche Geschenke stecken für mich und uns als Familie in dieser Situation? Und wie immer, wenn ich mir selbst eine Frage stelle, sprudeln die Antworten nur so aus mir heraus.

  • Durch diese Krisensituation kann ich üben für mich einzustehen - auch meiner Mutter gegenüber. Ich kann mich üben darin mich ihr gegenüber zu zeigen (authentisch sichtbar zu sein - da ist es wieder!) und ihren Frust auszuhalten, dass sie mir gerade nicht helfen kann.
  • Die Trigger von außen kann ich als Wegweiser nutzen, um Klarheit in mir zu finden. So kann ich mich ausrichten auf das, was ICH jetzt in dieser Situation brauche.
  • Ich kann einfach in Ruhe bei meinen Kindern sein! In den letzten Wochen habe ich so viel gearbeitet - und ich habe es auch genossen. Aber dadurch ist mir ein Stück weit meine Präsenz bei den Kindern verloren gegangen. Plötzlich habe ich wieder viel Zeitreichtum nur für meine drei Schätze und es tut uns allen so gut!
  • Ich habe auch gespürt, dass ich anders da bin als "damals" vor vier Jahren, als ich Angst hatte meinen Kindern mit meiner Unausgeglichenheit und mit meinem Frust zu schaden. Ich kann mittlerweile alleine zuständig sein, weil ich so viele Ressourcen habe. Ich erlaube mir selbst unperfekt zu sein, mich treiben zu lassen, wütend zu sein, frustriert zu sein, mir Freiräume zu schaffen... - im Einklang mit den Bedürfnissen meiner Kinder.
  • Mit Matthias habe ich auch einen großartigen Goldgräber an meiner Seite. Er hat auch schon mehrere Goldkörnchen in dieser Situation entdeckt: Glücklicherweise ist der linke Arm gebrochen, nicht der rechte. Der Kopf ist nach wie vor heile! Er wird wieder ganz gesund werden - so ein riesen Grund um dankbar zu sein.
  • (to be continued!)

Diese Erkenntnisse ändern nichts an der Tatsache, dass unser Alltag in den nächsten Wochen herausfordernd bleiben wird. Aber sie ändern wesentlich den Blick auf die Situation und helfen mir, in meiner Kraft zu bleiben bzw. sie immer wieder anzuzapfen, wenn ich dann doch wieder in Panik verfallen sollte. 

Und auch das ist ok. Ich erlaube mir das einfach, weil ich weiß, dass das der kürzeste Weg zurück zu mir ist.

Tag 6 nach dem Unfall: I will survive!

Jetzt ist der Schlittschuh-Unfall sechs Tage her, der Arm ist operiert und es ist gut gelaufen. Wir haben mehrere Hilfsangebote, die wir dankend annehmen werden. Wir freuen uns auf intensive Familienzeit und werden sicher noch mehr Geschenke in der Situation finden. 

Und wenn mir noch einmal alles zu viel wird, werde ich auch dieses Gefühl wieder als Wegweiser zu mir selbst nutzen (sobald ich mich an dieses Potenzial erinnere ;-)).

Da war noch alles gut. 😉 Ich könnte ihm stundenlang zugucken!!

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